Tetris

Süßer die Steine nicht fallen

In der heutigen Zeit haben viele Jugendliche einen schlechten Eindruck von der Zeit, die ihnen bevorsteht. Und viele Erwachsene stecken wenig vertrauen in die Jugend von heute. Doch eines verbindet die beiden … ein Spiel das durch seine Einfachheit, aber auch durch seine Komplexität zu gefallen weiß: Tetris.

Electronika 60 … oder die Sowjetzische Akademie für Wissenschaft …

Fangen wir mit dem Geschichteunterricht an: es war einmal, ein russischer Wissenschaftler entwickelte in einem heißen Juni im Jahre 1985 ein Spiel für den Electronika 60 (einem Computer). Der Name des Entwicklers war Alexey Pajitnov, und da nicht nur ihm dieses Spiel gefiel, verbreitete es sich unglaublich schnell über ganz Moskau.

Nachdem das Spiel den Weg nach Ungarn geschafft hatte, standen zwei Publisher vor der Pajitnovs Tür und wollten die Rechte an der PC-Version … Andromeda verlor, und Spectrum Holobyte erlangte eben diese Rechte. Da aber schon zu viele verschiedene Versionen von “Tetris” vorhanden waren, gabe es schon 1989 mehr als ein halbes Dutzend verschiedene Firmen, die irgendein Tetris-Spiel veröffentlichten. So auch die beiden Entwickler Atari und Nintendo. Atari aber besaß nur die Rechte für eine Arcade-Version, während Nintendo die Rechte für Heimkonsolen (NES/Famicom) und Handhelde hatte. Die GameBoy-Version wurde die bekannteste aller Versionen … und da es dem GameBoy beigelegt war auch das meistverkaufteste Spiel für den Spielejungen (die Angaben schwanken zwischen 17 und 30 Millionen Stück). In Japan veröffentlicht wurde es von “Bullet-Proof Software”, die dort die Rechte an dem Stück hielten.

Alexey Pajitnov aber wurde aus seinem Deal, trotz des riesigen Erfolges seiner Erfindung, nie reich daraus. Er entwickelt immer noch Puzzle-Elemente für Videospiele … und bleibt als “der eine Russe, der Tetris entwickelt hat”, in unserer Erinnerung.

Die Moral von der Geschicht? Rechte verkauft man, aber richtich!

Der Nußknacker oder die französische Suite von Johann Sebastian Bach

Um was geht es in Tetris überhaupt? Auf dich kommen eckige Objekte, sogenannte Tetrominos zu. In Buchstaben ausgedrückt wären das “I”, “J”, “L”, “O”, “S”, “T” und das “Z”. Diese Objekte musst du so anordnen, dass der Bildschirm nicht voll, und das Spiel deshalb nicht zu Ende ist. Ist eine Reihe gefüllt, so wird sie gelöscht, und der ganze Haufen wird kleiner. Ich glaube, jeder hat zumindest schon einmal das Spiel gespielt, deswegen denke ich, dass es nicht von Nöten ist, das Spielprinzip weiter zu erklären.

Grafisch bewegt sich das erste Game Boy Spiel auf normalem Niveau. Effekte gibt es sowieso nicht, und das der Aufbau des ganzen Spiels ist übersichtlich und reicht völlig aus.

Eigentlich denkt man sich, dass die Musik, die in Tetris gebraucht wird, in Japan komponiert wurde. Von wegen, Music A ist ein Volksmelodie namens “Korobeiniki”. Music C ist ein Arrangement von Johann Sebastian Bachs French Suite no. 3. Auch an der Steuerung gibts es nichts zu meckern … mit den Steuertasten steuert man die Objekte und mit A und B dreht und wendet man sie nach Belieben.

Bei den Spielmodi konnte man sich zwischen Einzel- und Mehrspielermodi entscheiden … Der Einzelspielermodus war auch wieder zweigeteilt: der A-Modus dauert so lange, bis das Feld blockiert ist, und ihr somit verloren habt. Nach 10 Reihen erhöht sich das Level und somit das Tempo, in dem die Steinchen herunterfallen.

Modus B endet hingegen schon dann, wenn du 25 Zeilen abgebaut hast, und um den Schwierigkeitsgrad noch in die Höhe zu treiben kann man neben Tempo auch die Verbautheit des Startbildschirms einstellen. Was überaus ärgerlich ist, ist die Tatsache, dass die gewonnenen Highscores sofort nach dem Ausschalten gelöscht sind, da das Spiel keinen Batteriespeicher beinhaltet.

Der Mehrspielermodus ist am gelungensten: durch Linkkabel verbunden spielt man eigentlich unabhängig voneinander … jedoch bekommt jeder die gleichen Steine und wer als erste die 30 Reihen eliminiert hat, hat gewonnen. Früher gewinnt man nur, wenn mein sein Türmchen eher klein hält, und hofft, dass der andere einen Stuss zusammenbaut. Nach 4 Punkten ist das Spiel zu Ende, und man hat gewonnen. Das fiese an diesem Modus ist jedoch, dass, wenn du mehrere Zeilen auf einmal abräumen kannst (das höchstmögliche sind 4 Zeilen (das nennt man dann “Tetris”), so landen diese Zeilen beim Kontrahenten. Auch wenn diese fast vollständigen Zeilen schnell beseitigt werden können, werfen sie den anderen schnell aus der Verfassung.

Forever young … play forever?

Die Frage, die sich viele stellen: ist es möglich, im Modus A unendlich lange zu spielen? Die normalen Probleme waren, dass das Tempo so hoch wurde, dass man nicht mehr zurechtkam, und dass sich die Steinchen bei hohem Tempo zu langsam drehen. John Brzustowski stellte sich 1988 zum ersten Mal die Frage “Would it be possible to play forever” Die Theroie die er aufstellte, ist einfach unmöglich, da er von unnatürlichem Aufkommen der S- und Z-Tetrominos sprach. Theoretisch, und nach seiner Idee schafft es ein Spieler, das Spiel mit 150 Tetrominos (S und Z) zu schaffen. Dann ist es einfach unmöglich.

Übrigens belegt eine Studie von Richard Haier, das, was viele Spieler schon lange gesagt haben. Das Spielen von Tetris bringt eine effizientere Gehirn-Aktivität. Wenn man es zum ersten mal spielt steigt, neben dem höheren Energieverbrauch eben auch die Gehirnfunktion und dessen -aktivität. Profis verringern durch Tetris-Spielen den Verbrauch von Glukose. Überraschend eigentlich, wie positiv sich ein Spiel auf uns Menschen auswirken kann.

Überraschend für mich ist, dass die Rekorde für diese GameBoy Version stets in deutscher Hand sind. Julia Staude aus Rostock und Laura Scholz aus Berlin schafften es bis 721.568 Punkte. Videos im Internet zeigen aber auch Spiele mit 999.999 Punkten, der höchsten theoretisch möglichen Punktezahl. In dieser Version von Tetris ist nach 20 Levels Schluss. Die Deluxe-Version für den GameBoy Color hat einen höheren Rekord: 5.177.674 Punkte (höchstes Level: Nr. 30), gehalten von einem Österreich (Daniel Zielinski)

Interessant finde ich auch noch, dass, da so viele Entwickler die Rechte an Tetris in ihren Händen glaubten, einige Firmen zugrunde gingen. Für Atari war es ein weiterer Schritt in den Untergang als Entwickler, denn sie hatten schon Millionen in Entwicklung und Vermarktung investiert, bis Nintendo sie darauf aufmerksam machten, dass nur sie (Nintendo) die Videospielrechte hätten. Und Maxwell drohte damit, Druck auf Gorbatschow während seines Staatsbesuchs in Großbritannien auszuüben. Dass dies nicht nur eine leere Drohung war, zeigt die Tatsache, dass der Chef der Maxwell Corporation, Robert Maxwell, einer der reichsten Männer der Welt war und gute Kontakte zu Herrn Gorbatschow hatte

Ähnliche Spiele gibt es über tausend, rund um das Internet, denn viele Hobbieentwickler haben oft eigene Versionen des Spiels programmiert. Hier nennen möchte ich nur Hextris (statt quadratischen Steinen gibt es sechseckige), Dr. Mario (stoßen drei gleichefarbige Kapselteile auf einen Virus gleicher Farbe, lösen sie sich auf), Triptych (elastische Steinchen, die auf die Gesetze der Physik gehorchen) und BlockOut, dem erfolgreichsten Versuch, Tetris in 3D zu etablieren. Das Schwierige an diesem Spiel war, dass man nun 2 weitere Achsen hatte, um die man die Teilchen drehen konnte.

Hier noch einige weitere Infos: bis zum Sega Saturn erschien keine Folge von Tetris für ein Sega System in den Vereinigten Staaten. Tetris hatte auch mehrere Auftritte in Comics und Fernsehen, so z.B. im Cartoon “Captain N: The Game Master”, bei den “Muppet Babies”, “The Simpsons”, “Family Guy”, “Futurama”. In “Police Academy 7 - Mission in Moskau” glauben die Amerikaner sogar, dass “The Game” (also Tetris), von den Russen entwickelt wurde, um die Amerikaner zu hypnotisieren. Schafft man im A-Modus des Spiels 100.000 Punkte, startet eine kleine Rakete. Je höher die Punkte, desto größer die Rakete. Im Modus B spielt dir eine kleine Kapelle etwas vor. Schafft man hier Level 9 mit der Höheneinstellung 5, so startet ein NASA-ähnliches Shuttle. Ein bewegender Moment für die Menschheit … oder zumindest für den Menschen vorm GameBoy.

Infos zu den verschiedenen Versionen: Wer einen GameBoy Pocket / Color / Advance / Advance SP oder Micro oder einen Nintendo DS sein Eigen nennen darf, dem empfehle ich eben für Pocket diese Version, für Color / Advance (SP) die Deluxe Version für den Color. Die Advance-Version sollte man lieber vergessen, da sie mit all den anderen Versionen in Sachen Spielspaß einfach nicht mithalten kann. Besitzer eines DS sollten unbedingt bei der DS-Version zugreifen. Denn diese ist wirklich gelungen und baut wunderbar neue Ideen ein!

Fazit: Viel Geschichte, viel Spielspaß!

Über das Spiel Tetris kann man nicht viel erzählen. Die Grafik ist einfach und reicht vollkommen. Der Sound ist meiner Meinung nach gelungen. Die Steuerung ebenso. Und das Gameplay ist unglaublich. Aber da kann mir wohl jeder hier zustimmen. Weil dieses Spiel muss man einfach schon einmal gespielt haben.

Ich habe das Spiel mit “Super Mario Land” im Bundle mit einem GameBoy zum Geburtstag bekommen. Und wenn ich mich einmal nicht mit Mario beschäftigt habe, so haben meine Eltern meinen GameBoy in Besitz genommen und nur durch Gewalt konnte ich sie von dem Spielejungen und Tetris losreißen. Das habe ich bisher noch nie erlebt, zumindest nicht bei meinen Eltern.

Auch wenn viele Versionen dieses Spiels überall zu finden sind, empfehle ich eine Version für einen Handheld. Für mich war dieses Tetris das erste, und bisher einzige in meiner Laufbahn. Und ich lebe noch immer zufrieden in einer schönen Lebensgemeinschaft mit diesem Cartridge. Ich kenne echt kein anderes Spiel, welches mich und meine Umwelt so süchtig macht. Meine beste Freundin erzählte mir gestern, sie habe sogar von Tetris-Steinchen geträumt. Ja, Tetris verändert dein Leben.

Deshalb: Bau dir dein eigenes Imperium, und lass es Reihe für Reihe wieder einstürzen ;-)

Grafik:9
Sound: 9
Steuerung: 9
Gameplay: 10

Gesamtwertung: 9,4 … Sehr Gut!

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