Der Fänger Im Roggen


http://media.libri.de/shop/coverscans/246/2462202_3499235390_big.jpgEin Klassiker also. Nun gut. In unserer Zeit wird schnell etwas als Klassiker oder Kult aufgefasst. Was? Aus den Fünfzigerjahren? Echt. Na dann.

Was als erstes bei diesem Buch auffällt. Es hat nicht die typische Form eines Buches aus dieser Zeit. Der Autor verzichtet auf zuviel Pathos oder ähnliches, es ist eine realistische Nachstellung eines versagensbereiten Schülers, der durch New York wandert. Mit all den vulgären Ausdrücken und all den Flüchen. Alles in allem liest man dieses Buch eigentlich schnell durch.

Worum es geht? Um einen Schüler, der wieder einmal von der Schule fliegt, und beschließt, nicht gleich nach Hause zu fahren. Er verbringt die wenigen Tage, die ihm bleiben, um in New York herumzureisen und all das Geld, was ihm seine Großmutter zum Geburtstag geschickt hat, auszugeben. Und so trifft er alte Bekannte, merkt, warum er sie nicht mag, denkt lange Zeit immer nur an diese eine Frau. Und man bemerkt, dass viele misanthropische Ansätze in seiner Sprache, seinem Auftreten, seiner Abgestumpftheit zu finden sind.

Das Buch ist relativ leicht zu lesen. Sprachlich nicht hochgestochen, manchmal zwar übertrieben hässlich, aber doch wieder nahezu realistisch. J.D. Sailingers Buch (das einzige wirklich erfolgreiche Buch von ihm) wurde zum Inbegriff der Literatur und so bekam eine kurze Literatur-Epoche auch den Namen Sailinger-Ära. Was aber daran ein Meisterwerk sein soll, finde ich jetzt nach dem erstmaligen Durchlesen nicht heraus. Es ist eine interessante, manchmal überaus treffende Analyse der Probleme eines Jugendlichen (:: verdammt, das war der Plot meines Buches … ::). Und schön langsam findet der Hauptprotagonist seinen Weg.

Und gerade das stört mich an diesem Buch. Es handelt von vielleicht zwei oder drei Tagen. Umfasst 270 Seiten. Und was dann zurückbleibt? Fragen. Viel zu viel bleibt offen. Und da ist natürlich relativ ärgerlich, da man keine Fortsetzung, keine Erklärungs-Bibel erwarten kann. Sailinger schaffte es, im Gegensatz vieler seiner Kollegen, nicht, eine Welt zu entwickeln, in der diese Geschichte eingebettet ist.

:: Das Fazit

Dieses Buch hätte ich so zumindest nicht an einen Verlag eingeschickt. Aber man muss dem Autor zugute halten, dass er von einer Sprache Gebrauch machte, die in den 50er Jahren sicherlich so nur sehr selten in der Literatur zu finden war. Das Buch ist weder spannend, noch durchgehend witzig. Aber es lebt vom Fortschritt des Tages. Von den offenen Fragen, die dann doch nicht beantwortet werden. Für mich sicherlich kein Meisterwerk. Ein gutes Buch. Und ein wunderbar simples Cover.

:: Note: 3

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