
Nachdem bei uns in Oberösterreich der Börsengang eines staatlichen Strombetreibers zur Diskussion stellt, hat es sich die Kulturinitiative 08/16 und die Arbeiterkammer Oberösterreich nicht nehmen lassen und den deutschen Dokumentationsfilm „Der große Ausverkauf“ nach Gmunden geholt und mit freiem Eintritt Menschen angelockt.
Der Film behandelt vier äußerst eindringliche Schicksale. Aus allen Teilen der Welt. Und zeigt damit auf, wie schief Privatisierung laufen kann. Eine Episode bespricht den Wasserkrieg in Bolivien, Anfang der 90er. Eine andere die Privatisierung von Strom und Wasser in Afrika. Weiters wird auch noch die Gesundheitsprivatisierung auf den Philippinen, und natürlich die komplett missglückte Bahnprivatisierung in England besprochen.
Mit bedrückenden Bildern zeigt der Regisseur Florian Opitz, welche Folgen eine Privatisierung von Diensleistungen und Grundrechten, wie es eben das Wasser ist, hat. Dass es die einen mit zynischem Humor nehmen (England), mit aktivem Protest bekämpfen (Bolivien und Afrika) oder mit unabänderlicher Arbeit und starker seelischer Belastung (Philippinen), ist bemerkenswert. Und traurig.
Besonders der Abspann ist bedrückend. Während man sich noch während des ganzen Films über die schrägen Aussagen der WTO (Welthandelsorganisation) und das lächerliche Video des IWF (Internationaler Währungsfonds)wundert und manchmal auch etwas schmunzelt, bedrückte das Outro mein Gemüt. Denn hier waren keine Schauspieler am Werk. Alles Einzelschicksale dieser wunderbar globalisierten Welt. Zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich kurz davor, einige Tränen für einen Dokumentationsfilm zu verlieren. Und das war mir das letzte Mal bei „Bowling For Columbine“ passiert.
Die Bilder sind, wie schon gesagt erschreckend real, und unglaublich ernüchternd. Die Musikuntermalung treibt an den richtigen Stellen das Entsetzen voran. Und nach dem Film ist vor dem Film. Ich war ja schon immer ein Privatisierungsgegner, seit dem Zeitpunkt, an dem ich mich wirklich für Politik interessierte. Zur Zeit der Post-Privatisierung im Jahre 1999. Ich wusste, wie bescheuert diese Idee ist, ein kurzzeitiges Finanzloch mit dem Verkauf eines profitablen Dienstleistungsunternehmens zu stopfen. Der Film zeigt wieder einmal nur vier Einzelschicksale. Schreckliche Einzelschicksale. Sucht Schuldige (WTO, IWF und Weltbank). Und lässt uns dann mit den Zusammenfassungen des weiteren Lebens der Gefilmten zurück. Was mir persönlich gefehlt hat, waren die Zahlen, die Michael Moore Filme manchmal aus dem banalen Humor heben. Wie viele Opfer die Privatisierung schon hatte. Wie viele Firmen in den letzten zehn Jahren privatisiert wurden, und was es für die Staaten für Folgen hatte. Und auch die Beteiligung der EU an dem Desaster bleibt unangetastet.
Die anschließende Diskussion mit einem Sprecher der ATTAC, einer Dame der Abteilung Kultur der Arbeiterkammer, und einem weiteren Mann der Arbeiterkammer und des Österreichischen Gewerkschaftsbundes zeigt den wahren Grund für diesen Film an. Die Privatisierung der Energie AG. Bzw. der Versuch, sie zu verhindern.
:: Mein Fazit
Der große Ausverkauf spielt mit den Emotionen des Zusehers. Ein typischer Film eben, stimmt. Die Einzelschicksale sind mit viel Überlegung ausgewählt worden und zeigen die schrecklichen Folgen der Privatisierungen auf der ganzen Welt. Dass in diesen 98 Minuten einiges unbehandelt bleibt, scheint nebensächlich durch den emotionsgeladenen Schluss. Doch ich bleibe sicherlich fragend zurück. Wer sich mit diesem Thema zum ersten Mal befasst hat, der scheint mit diesem Film Grundlagen für einen Protest gegen die Privatisierungen gefunden zu haben. Für einen wohl Informierten aber fehlen die handfesten Fakten.
:: Note: 3
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