

Wenn es ein Spiel schafft, einen ermüdeteten Gambler wieder vor den Bildschirm zu locken, wie es eben Runaway vor knapp 4 Jahren geschafft hat, so ist es doch wohl nur das natürlichste, dass man sehnlichst auf die Fortsetzung, auf den zweiten Teil wartet. Und mit „Runaway 2 – The Dream of the Turtle“ ist eben diese endlich, trotz langer Verspätung, doch noch erschienen. Ob die Entwickler der Pendulo Studios etwas dazugelernt haben, ob der Humor immer noch gleich gut ist, und ob sich Runaway 2 überhaupt noch wie ein Adventure spielt … das erfährst du hier.
Immer diese Flugzeugabstürze
Einige mögen sich vielleicht noch erinnern … nachdem Brian Basco endlich Gina (Timmins) aus den Fängen von Mafiosis befreit hat, düsen sie ab in ihren verdienten Traumurlaub. Und genau hier fängt auch schon wieder die Geschichte des zweiten Teils an. Die kleine Maschine erleidet einen Motoraussetzer, und Brian, ein Gentleman wie er nun mal ist, überlässt den einzigen Fallschirm seiner Geliebten. Das heißt natürlich von ihm: er muss mit dem Schiff (diesmal ein Flugzeug) untergehen. Er landet dann aber schließlich etwas unsanft auf einer scheinbar verlassenen Insel … mitten im Dschungel. Und schon kann das Abenteuer losgehen.
Und während seines Abenteuers trifft er noch auf so manchen alten Bekannten … wie z.B. der Liebling aus der Western-Stadt Sushi und der Klotz Oscar oder der Freak Joshua. Insgesamt zieht sich die ganze Geschichte über 6 Kapitel … wobei vor allem in den letzten Kapiteln immer mehr Fragen auftauchen.
Aus den Dschungel, in den Dschungel
Das schöne am ersten Teil war unter anderem die Grafik. Wunderschöne 2D-Hintergründe, schön gerenderte 3D-Figuren … und ein absolut fließender Übergang. Für mich war Runaway grafisch sicherlich eines der absoluten Highlights im Adventure-Genre. Doch Runaway 2 schlägt sogar diese wunderbare Grafik um Längen. Die vielen bunten und farbenfrohen Locations rund um den Globus gefallen einen beim ersten Hinsehen, und man sieht, dass sich die spanischen Entwickler wirklich Mühe mit der Gestaltung des ganzen Spiels gemacht haben.
Auch der Sound überzeugt einen … der Titelsong „I want to Runaway“ ist ein derartiger Ohrwurm, dass er mir sogar jetzt noch in den Ohren lliegt. Und auch die tolle Stimme des ersten Teils, jene von Vera (der ehemaligen Sängerin von Liquor), singt dieses mal wieder neue Lieder. Die Sprachausgabe ist, wie man es von dtp gewohnt ist, unglaublich. Die Stimmen passen zu den Personen und die Lippenbewegungen fast gänzlich genau zu dem Gesprochenen.
Spiel, Spaß und Spannung
Ein Adventure? Ja, denn auf Zahlenpuzzles, Schieberätsel oder Actioneinlagen (à la Baphomets Fluch) wurde Gott sei Dank verzichtet. Hier geht es einfach nur um die allseits bekannten und von vielen geliebten Kombinationsrätseln. Und diese sind, so wie im ersten Teil, zwar meist logisch, aber es kommt doch des öfteren zu nur halbwegs sinnvollen Kombinationen … das Querdenken muss für dieses Spiel eigentlich neu erfunden werden. Durch logisches Denken kommt man bei einigen Rätseln einfach nicht weiter. Am besten ist, man kombiniert alles mit allem. Aber unfair wird das Spiel trotz allem nie … nur muss man beachten, dass Brian einen Gegenstand erst dann aufhebt, wenn er ihn wirklich gebrauchen kann … das heißt: Schausplätze mehrmals absuchen.
Die Steuerung ist immer noch so einfach wie schon im ersten Teil. Mit der Maus untersucht man Gegenstände, benützt sie und kombiniert das ganze. Wie es sich eben für ein klassisches Adventure gehört.
Der Humor des Spiels ist immer noch genauso wie im ersten Teil … oder vielleicht sogar noch um einiges besser. Man glaubt es kaum, dass keiner der Entwickler jemals für Lucas Arts gearbeitet hat. Der Humor kommt doch teilweise sehr nahe an die unglaublichen Lacher von Monkey Island heran … eine wunderbare Sache, denn wenn der Humor passt, dann klappt das auch mit den Rätseln.
Spielen kannst du dieses Spiel mit einem Windows 98/ME/2000/XP, Pentium III, 128 MB RAM, einer DirectX 9 kompatiblen Grafikkarte und einem DVD-Laufwerk. Wenn du diese Anforderungen standhalten kannst, dann steht dem Spiel eigentlich nichts mehr im Weg.
Fazit: Ein Absturz verändert dein Leben
Ich habe mir, wahrscheinlich wegen dem grandiosen ersten Teil, viel von Runaway 2 – The Dream of the Turtle erwartet. Und ich wurde eigentlich in fast allen Dingen übertroffen. Die Grafik ist unglaublich, der Sound passt und hört sich durch 5.1 für ein Adventure super an. Der Humor hat teilweise stark zugelegt, die Soundausgabe beeindruckt. Die Rätsel sind schwerer, und leider auch des öfteren komplizierter und unlogischer. Die Geschichte ist spannend und lustig. Und doch haben die Entwickler einige Fehler des ersten Teils nicht ausgemerzt. Dass man Schauplätze mehrmals untersuchen muss, da Gegenstände anfangs nicht mitgenommen werden, da sie nutzlos seien … und doch braucht man genau diesen Gegentand später.
Alles in allem scheint Runaway 2 für mich das wahrscheinlich beste Adventure des Jahres zu sein. Das das Ende eher lieblos erscheint (Fortsetzung folgt), kann ich dem Spiel zwar verzeihen … aber trotzdem erwarte ich mir im dritten Teil (und der kommt sicher), alle Antworten auf die Fragen, die ich mir während des Spielens gestellt habe.
Also: Runaway 2 ist ein einzigartiges Adventure
8 von 10

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